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Napoleonische Zeit

Das Zeitalter der Kriege des revolutionären Frankreich unter Napoleon stellt auch in der Geschichte Tirols einen bedeutenden Abschnitt dar. Das Land erwies sich in dieser Zeitspanne von 1796 bis 1813 als wertvolle Westfestung Österreichs, als früher Vorläufer des überall erstarkenden Volkskampfes, als Hort des Freiheitsgedankens und der Religion.
1796 ging für Tirol ein 93 Jahre währender Frieden zu Ende.
Tirol hatte 14 Jahre, von 1796 bis 1810 um seine Freiheit gekämpft. Der Freiheitskampf der Tiroler Volkes erregte ebenso durch seine Erfolge wie durch sein tragisches Ende Aufsehen in ganz Europa.
Er wirkte wie ein Fanal und weckte bzw. verstärkte den Widerstand gegen den Unterdrücker – er wurde somit der Anfang vom Ende
Napoleons. So gesehen waren die Opfer der Tiroler nicht vergebens, sie leiteten die Befreiung von 1813/14 ein.

1796

Im Mai näherten sich die Franzosen den Landesgrenzen. Am 21. und 30. Mai tagten die Stände des Landes in Bozen und beschlossen neben den rein militärischen Maßnahmen auch das Gelöbnis des Landes mit dem Hl. Herzen Jesu. Die Meraner Schützenkompanie unter Hauptmann Felix von Gasteiger war eine der ersten, die an die italienische Grenze zog, um den Einfall abzuwehren. Ihr hatte sich auch eine Reihe von Studenten des städtischen Gymnasiuns angeschlossen, die eine eigene Corporalschaft bildete – Andreas Hofer diente hier als Korporal und Furier. Die Kompanie bezog am Tonale und bei Pejo Stellung und verblieb dort bis Ende Juli, bis die zweite Meraner Schützenkompanie unter Hauptmann Karl von Weber ausrückte und bei Deutschmetz (Mezzocorona) Stellung bezog. Die beiden Kompanien hatten in diesem Jahr nur einen Gefallenen zu beklagen, es war der Student Franz Plattner, der bei einer Aufklärungspatrouille fiel.

1797

Bereits Anfang März drangen feindliche Truppen durch das untere Etschtal herauf, eine Reaktion auf den schlecht geführten Entsatzstoß nach Mantua und dessen Kapitulation am 2. Februar. Wieder mussten die Tiroler den Rückzug der Kaiserlichen decken. Von Lavis stießen weitere 15.000 Franzosen gegen Bozen vor; die Kaiserlichen leisteten aber keinen Widerstand, sondern zogen sich nach Meran und Sterzing zurück, daher mussten auch die Schützen weichen. Am 23. März zogen die Franzosen in Bozen ein und schickten Kavalleriepatrouillen nach Brixen und Meran. Diese wagten sich aber nicht über die Linie Nals-Gargazon hinaus, obwohl in Bozen eine ganze Division stand. General Laudon, Befehlshaber der Kaiserlichen in Meran, schickte den inzwischen versammelten Landsturm nach Hause und wollte im Vinschgau auf weitere Befehle warten. Die erzürnten Burggräfler und Vinschgauer Schützen forderten energisch ein Vorgehen gegen den Feind und drohten mit Konsequenzen (siehe 1703). Laudon gab nach, musterte die Mannschaften, teilte sie neu ein und beschloss am 29. März anzugreifen. Die Franzosen wichen bis südlich von Terlan, Andrian und Mölten zurück. Am 2. April setzten die Tiroler und Österreicher den Angriff über Jenesien, Glaning und Gries fort, am nächsten Tag schon wurde Gries befreit und Bozen angegriffen. Am Abend des 3. April zogen sich die Franzosen, nachdem sie ca. 1.500 Mann verloren hatten, fluchtartig nach Brixen ab. Die Meraner Kompanie hatte 8 Verwundete, aber keine Toten zu beklagen. Am 2. April war die Schlacht bei Spinges geschlagen worden, in deren Verlauf die Franzosen 1.000 Mann verloren. Beide französischen Divisionen zogen ungehindert durch das Pustertal ab. Tirol war wieder frei. Am 10. August wurde der Schützenkompanie Meran für ihre tapferen Einsätze im März und April die große Ehrenmedaille überreich. Der Friede von Campoformio vom 18. Oktober 1797 beendete den Krieg.

1799

marschierte die französische Armee ohne Kriegserklärung am 1. März über den Rhein nach Süddeutschland bis zum Bodensee und besetzte die Schweiz. Mitte März stand der Feind bei Finstermünz. Die Burggräfler Aufgebote standen am Calvenwald, vor Glurns und Laatsch, die Meraner Schützenkompanie oberhalb Schluderns. Am 25. März erstürmten die Franzosen ein befestigtes Lager bei Taufers und besetzten Glurns und Nauders.
Die Regierung erließ am 26. das Aufgebot aller Wehrfähigen der Gerichte von Landeck bis Schwaz. Bereits Anfang April standen 28 Schützenkompanien mit 3.500 Mann bereit. Kaiserliche und Schützen griffen über Martinsbruck die Franzosen an und warfen sie bis Zernetz zurück. Danach wurden die Schützen entlassen. Da österreichische Truppen die Franzosen aus Graubünden vertrieben und am 4. Juni Zürich eroberten, gab es keine Kampfhandlungen in Tirol.

1800

Im November 1799 putschte Napoleon und errichtete in Frankreich eine Militärdiktatur. Er brauchte Siege, um an der Macht zu bleiben. Im darauf folgenden Mai überschritt er mit einer Armee den Großen St. Bernhardpass und schlug die Österreicher am 14.Juni bei Marengo, gleichzeitig stieß eine zweite französische Armee bis München vor. Das bedeutete wiederum Gefahr für Tirol, weshalb 40 Schützenkompanien aufgeboten wurden. Die Meraner Kompanie unter Hauptmann Breitenberg bezog am 2. Juni im Bregellatal feste Stellung.
Weder in noch um Tirol kam es zu Kampfhandlungen, die Schützen wurden bereits am 24. September nach Hause entlassen. Der Waffenstillstand von Steyr (25. Dezember) beinhaltete u. a. auch die Entmilitarisierung Tirols, d. h. das Land wurde sowohl von französischen als auch von österreichischen Truppen geräumt.
Nur gleich starke Sicherheitswachen längs einer vereinbarten Demarkationslinie blieben im Land. Diese verlief längs der Straße von Lienz nach Brixen, weiter nach Bozen, über Meran nach Glurns und über Santa Maria ins Veltlin. In der Stadt Meran wurden je 42 Mann als Sicherheitswache stationiert, die diese auch zu unterhalten hatte.

1801

Am 20. Februar brachte eine kaiserliche Offiziersstaffette die Nachricht vom Friedensabschluss von Lunèville (9. Februar 1801). Das hatte zur Folge, dass die französische und österreichische Sicherheitswache abzogen – in Österreich und damit auch in Tirol war endlich wieder Frieden. Die Zeit wude für dringend notwendige militärische und wirtschaftliche Reformen genutzt. In Trol führte man eine Reorganisation des Schützenwesens durch: Die bisherigen Kriegserfahrungen hatten nämlich gezeigt, dass das Aufbieten der Schützenkompanien von Fall zu Fall viel zu langsam vor sich ging, um den Schutz des Landes zu gewährleisten, besonders bei der schnellen Strategie Napoleons.
Daher wurde das Zusammenbleiben der Kompanien als ständige Einrichtung mit regelmäßigem Exerzieren angestrebt. Für Meran waren die Kriegslasten der letzten Jahre nicht unbedeutend, wenn die Stadt von den Kriegsereignissen auch nicht unmittelbar berührt war.
Zum Dank errichteten die Meraner Bürger auf dem Sandplatz eine Marienstatue auf hohem Fußgestell und erneuerten den Umgang mit der Kriegsmuttergottes von 1683. Das wird – nicht zuletzt auf Initiative der SK Meran – bis auf den heutigen Tag so gehalten.

1805

Österreichs Armee war für einen weiteren Krieg nicht gerüstet, Preußen blieb neutral, und dennoch drängte die österreichische Politik darauf, mit Schweden und Russland als Bundesgenossen das Abenteuer eines 3. Koalitionskrieges zu wagen. Zwar besiegte Erzherzog Karl im Oktober die Franzosen bei Verona, doch Napoleon zwang im gleichen Zeitraum eine Teilarmee bei Ulm zur Kapitulation und siegte im Dezember überlegen bei Austerlitz (Dreikaiserschlacht) über die vereinigten Österreicher und Russen. Tirol war in diesem zu früh und unglücklich geführten Herbstfeldzug überhaupt nicht verteidigt worden.
Auch das Aufgebot der Schützen – erst am 13. Oktober erlassen – konnte die sich überstürzenden Ereignisse nicht aufhalten. Die Festung Scharnitz wurde überrumpelt, und der französische Marschall Ney zog bereits am 5. November in Innsbruck ein. Das von der Regierung aufgezwungene Alarmsystem versagte vollkommen. Die Meraner Kompanie wurde erst am 19. Oktober aufgeboten, zudem statt mit ihren eigenen Gewehren mit ungewohnten Musketen bewaffnet und nach Stilfs beordert, aber schon am 5. November wieder nach Meran zurückgerufen. In der Nacht zum 17. November floh eine über 8.000 Mann starke österreichische Truppe durch Meran nach Bozen und Trient, verfolgt von einer französischen mit eindeutig räuberischen Absichten.
Der Schönbrunner Konvention am 13. Dezember folgte am 26. Dezember der Diktatfrieden von Preßburg. Österreich musste neben vielen anderen Gebieten auch Tirol dem neuen Königreich von Napoleons Gnaden Bayern als Judaslohn abtreten. Kaiser Franz II. legte unter dem Zwang der Tatsachen die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder. Das seit Karl dem Großen bestehende Heilige Römische Reich war zerbrochen.

1806

Mit dem Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner wurde das Land Tirol offiziell in die Verwaltung des Königreiches Bayern übernommen. Der König versprach den Vertretern des Landtages, die Rechte und Gesetze des Landes zu achten und zu wahren. Die Tiroler nahmen dieses Versprechen ernst. Doch die folgenden bayrischen Regierungsmaßnahmen wie Waffenverbot, Auflösung der Schützenkompanien, antikirchliche Verordnungen, Verbot des Namens „Tirol“, Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild, neue Steuern und vor allem die Zwangsrekrutierung straften das Königswort Lügen und erzeugten eine böse Stimmung im ganzen Land. In Meran wurde das Kapuzinerkloster aufgelöst und die Patres vertrieben, der Bischof von Chur wurde festgenommen und außer Landes gebracht, das Priesterseminar geschlossen.

1809 - die Befreiung Merans

Österreich hatte den Frieden von Preßburg nur als vorübergehendes Opfer betrachtet und rüstete wieder auf: Im März begannen in Tirol die Vorbereitungen zum Kampf gegen die Fremdherrschaft, Österreich unterstützte diese Bemühungen und war selber zum Kampf entschlossen, allerdings in der vergeblichen Hoffnung auf die Mithilfe Deutschlands. Die österreichischen Truppen rückten am 10. April in Bayern ein, wurden aber bereits am 18./22. von Napoleon bei Regensburg geschlagen. Die Tiroler schlugen gleichzeitig los, am 12. und 13. April gelang es ihnen allein, das bayrisch-französische Joch abzuschütteln. Im Stadt- und Landgericht Meran waren die folgenden Männer mit den Vorbereitungen betraut: Johann Brunner, Oberwirt von Schenna, Johann Mößl-Stallele von Mais, Blasius Trogmann-Fink von Hagen, Valentin Tschöll, Bürger von Meran, Jakob Flarer, Widumsbauer von Tirol, Alois Elsler, Schullehrer von Tirol, Matthias Ladurner, Oberdorner von Algund, Josef Moser, Maratscher von Plars, Johann Gstirner, Neuwirt von Rabland und Franz Tappeiner, Obermair von Tschirland. In der Nacht zum 11. April kamen die genannten Vertrauensmänner mit Vertretern der Gemeinden des Burggrafenamtes zusammen, um Umfang und Zeitpunkt der einzelnen Aktionen festzulegen. Am Tag darauf bereitete man sich vor, kontrollierte die Waffen und goss Kugeln, ohne dass die Bayern etwas merkten. Bei Einbruch der Dunkelheit rückten die Schützen in Kompanien geordnet gegen die Stadt. Valentin Tschöll übernahm als KK. österreichischer Kommandant, berechtigt durch die Kriegserklärung an Bayern , die Befehlsgewalt. Die bayrischen Wachen wurden überwältigt und alle wichtigen Gebäude der Stadt besetzt. Die bayrischen Beamten wurden festgenommen, den Gerichtsschreiber Anton Hörmann zog man sogar aus dem Schweinestall des Grafen Mamming, wo er sich versteckt hatte. Die Stadt war befreit, die alte Landesordnung wieder in Kraft gesetzt, auch die Kapuziner kehrten zurück.

1809 - die Befreiung Tirols

Gemeinsam mit den anderen Burggräfler Kompanien rückten die Meraner bereits am 12. April gegen Bozen vor, das von 2.000 Franzosen unter General Lemoine besetzt war. Die Passeirer unter Andreas Hofer marschierten über den Jaufen und zerschlugen eine bayrische Truppe im Sterzinger Moos, während die Eisacktaler die Ladritscher Brücke (Franzensfeste) sperrten. Am Morgen des 13. April rückten die Burggräfler und Vinschgauer Kompanien in Bozen ein, nachdem sich die Franzosen erst Stunden vorher davongemacht hatten. Sie flüchteten vor den Tirolern nach Trient, wo eine starke französische Garnison stationiert war. Als die Österreicher in Tirol einmarschierten – am 15. April erreichten sie Innsbruck – hatte sich das Land aus eigener Kraft befreit. Als letztes wurde Trient am 22. April von österreichischen Truppen und Schützenunter General Fenner befreit.

1809 - Tirol scheint verloren

Die Schützen kehrten in ihre Heimatorte zurück. Die Freude über die Befreiung Tirols war nur von kurzer Dauer: Die Österreicher erlitten am 3. Mai bei Ebelsberg-Linz eine neuerliche Niederlage durch die Franzosen und zogen sich nach Wien zurück. Napoleon stieß nach und besetzte bereits am 13. Mai Wien. Ein freies Tirol in seinem Rücken konnte er nicht dulden, deshalb befahl er seinem Marschall Lefebvre, Tirol zu besetzen. Zwei Divisionen rückten von Salzburg und längs des Inns – trotz erbitterter Gegenwehr am Pass Strub und in Söll – in Tirol ein. Am 13. Mai besiegten sie bei Wörgl die österreichischen Truppen und zogen plündernd, mordend und brandschatzend nach Innsbruck. Die französisch-bayrischen Truppen waren der Befehlsgewalt ihres Generals Wrede vollkommen entglitten, sodass er am 16. Mai einen 36stündigen Waffenstillstand schließen musste. Dies ermöglichte den Tirolern den Aufmarsch südlich des Brenners. Am 19. Mai zog Marschall Lefebvre in Innsbruck ein – siegessicher und in der Meinung, seine Aufgabe gelöst zu haben. Die österreichischen Truppen verließen bis auf 1.500 Mann am Brenner das Land.

1809 - Andreas Hofer und die Schlacht am Bergisel

Im Vinschgau, Oberinntal, Eisacktal und Burggrafenamt jedoch griff man zu den Waffen, Andreas Hofer trat erstmals als Anführer des südlichen Tirol auf. Am 20. Mai vereinigte sich die 110 Mann starke Meraner Stadtkompanie unter Hauptmann Felix von Gasteiger mit anderen Burggräfler Kompanien mit dem Passeirer Aufgebot und zog über den Jaufen zum Brenner. Die 1.500 Mann des österreichischen Generals Buol mitziehend, erreichten sie am Nachmittag des 25. Mai den Bergisel und griffen an. Die Bayern wurden ins Tal gedrängt, der Kampf blieb unentschieden, da ein wolkenbruchartiger Regen am Abend dem Ganzen ein Ende machte. Die Meraner Kompanie hatte sich nahezu halbiert, fast 50 Mann samt dem Hauptmann fielen aus, teils durch Verwundungen, teils aus Furcht vor den bayrischen Kugeln und Kartätschen. Die verbliebenen 60 Mann ordneten sich neu und wählten Josef Schweigl, Bürger von Meran, zum Hauptmann. Die inzwischen auf 12.000 Mann angewachsenen Sturmmassen forderten eine rasche Entscheidung. Am Morgen des 29. Mai griffen die Tiroler wieder an. Sie schlossen die bayrischen Truppen nach zahlreichen Gefechten von Zirl bis Hall in Innsbruck ein. Nach 10stündigem Kampf hatten die Bayern 51 Tote, 500 Verwundete und 200 Gefangene verloren, sie zogen in der Nacht zum 30. Mai heimlich ab. Die Tiroler hatten 62 Tote und 97 Verwundete. Die meisten Verluste hatte die Schützenkompanie Meran zu beklagen, nämlich 9 Tote und 29 Verwundete. Unter den Toten befanden sich Johann Graf von Stachelburg und Anton Jäger, Bauer auf Zenoberg; Josef Leiter, Weinmesser, wurde gefangen genommen und starb später an den Folgen der Misshandlung. Zur gleichen Zeit hatten die Welschtiroler Schützen, unterstützt von Etschländern, Einfälle von französisch-italienischen Truppen abgewehrt, Bozen musste erst durch eine Exekutionskompanie energisch an seine Pflicht erinnert werden. Tirol hatte sich zum zweiten Mal befreit.

1809 - Waffenstillstand von Znaim

Napoleon war am 21./22. Mai bei Aspern (bei Wien) von Erzherzog Karl besiegt worden. In der Euphorie des Sieges schrieb Kaiser Franz das berühmte „Wolkersdorfer Handbillett“, in welchem er den Tirolern das Verbleiben im österreichischen Staatsverband garantierte. Die österreichische Armee nützte ihren Erfolg aber nicht entschieden genug und wurde am 5./6. Juni bei Wagram entscheidend geschlagen. Damit erzwang Napoleon am 12. Juli den Waffenstillstand von Znaim, um freie Hand gegen Tirol zu haben. Zwar enthielt dieser „nur“ die Bedingung, dass die Österreicher Tirol räumen mussten, doch das genügte ihm, um eine ganze Armee (25.000 Mann) unter Marschall Lefebvre in Tirol abzustellen. Von allen Seiten rückten die feindlichen Truppen gegen das Land.

1809 - der Kampf um Tirol

Lefebvre erreichte zwar am 20. Juli Innsbruck, doch gelang es ihm nicht, der Tiroler Anführer habhaft zu werden; er wusste auch, nur die Hauptstadt besetzen würde hier nichts nützen. Deshalb schickte er starke Abteilungen über den Brenner und Reschen und von Italien nach Norden, um das Kernland zu besetzen. Andreas Hofer, seit dem Mai gemeinsam mit Speckbacher und Haspinger anerkannter militärischer Führer der Tiroler erließ am 29. Juli seinen Aufruf zur Landesverteidigung. Hofers Aufrufe taten ihre Wirkung: Ohne Absprache zwischen den Talschaften und ohne einen Operationsplan griffen alle zu den Waffen und verwehrten dem Feind den Eintritt ins Land bzw. den Vorstoß in noch freie Landesteile. Eine Feindkolonne nach der anderen wurde besiegt, am 5. August in der Eisackschlucht (Sachsenklemme), 6. August in Trient am, am 8. August in der Lienzer Klause und bei der Pontlatzer Brücke (wie 1703). Die Meraner Schützenkompanie unter Hauptmann Auckentaler zog vereint mit dem Passeirer Aufgebot über den Jaufen und fiel am 10. August bei der Moosbrücke und Einsiedel den Truppen Lefebvres in die Flanke. Dieser ersuchte nach einem vierstündigen Gefecht um Waffenstillstand für den folgenden Tag, zog sich aber schon in der Nacht zurück. Den Hauptmann Auckentaler nahm er mit. Die Landesverteidiger folgten den feindlichen Truppen, die sich in großer Eile auf Innsbruck zubewegten, den ganzen Weg unter dem Feuer der Wipptaler und Stubaier Schützen. Das Chaos war so groß, dass Hauptmann Auckentaler wieder freikam. Marschall Lefebvre war nun gezwungen, seine verbliebenen Truppen (ca. 15.000 Mann) zwischen Innsbruck und Hall in Stellung zu bringen.

1809 - die 3. Schlacht am Bergisel

Ein machtvolles Sturmaufgebot – ebenfalls 15.000 Mann stark – zog gegen Innsbruck. Der rechte Flügel marschierte unter Speckbacher bei Lans, das Zentrum unter Haspinger und Peter Mayr bei Natters. Der Kommandant Valentin Tscholl zog mit 14 Kompanien, darunter jene von Mais, Schenna, Algund und Partschins über Ellbögen zum Patschberg am rechten Flügel. Die Meraner Kompanie, wieder unter Hautmann Auckentaler, wandte sich direkt gegen den Bergisel. Lefebvre blieb in seiner Position nichts anderes übrig als anzugreifen, um den Belagerungring zu sprengen. Der 13. August begann am frühen Morgen mit kleinen Vorstößen der Franzosen und steigerte sich schon am Vormittag zu Sturmangriffen. Immer wieder die französischen Offiziere die bayrischen und sächsischen Truppen ins Feuer der Tiroler. Es kam auch zu verzweifelten Nahkämpfen, aber die Schützen hielten bis zum Abend ihre Stellungen und bauten sie sogar aus. Die Meraner Schützenkompanie hatte an diesem Tag 8 Verwundete. Um der völligen Einschließung und Gefangennahme zu entgehen, zog sich Lefebvre nach einem Ruhetag in der Nacht zum 15. durch das Inntal zurück. Aus Rache für die Niederlage, und um seinen Rückzug zu verschleiern, ließ er zahlreiche Höfe und Ansitze niederbrennen. Am 15. August rückten die Landstürmer in Innsbruck ein, die dritte Bergiselschlacht war ein Sieg der Tiroler, erfochten ohne jeden militärischen Beistand.

1809 - Hofer als Landesverweser

Doch das Land war jetzt völlig auf sich allein gestellt, von außen war keine Hilfe zu erwarten. In dieser völkerrechtlich unklaren Situation übernahm Hofer als Landesverweser die Regierungsgeschäfte, um für Ruhe und Sicherheit im ganzen Land zu sorgen. Die Meraner Kompanie verfolgte den abziehenden Feind bis Vomp und kehrte dann nach Innsbruck zurück. Dort hatte sie die Ehre, die Haupt- und Burgwache zu stellen, solange sie in Innsbruck verblieb (Vorstreitrecht 1497). Am 27. August war die Kompanie wieder in Meran. Tirol war zwar frei, jedoch von allen Seiten von Feinden umgeben, weshalb dauernde Grenzwachen nötig waren. Im Osten gegen Salzburg wurde durch Haspingers Initiative aktiv umgesetzt: Die Tiroler stießen gegen das Salzachtal vor. Am 5. September rückte eine Meraner Kompanie unter Hauptmann Schweigl über den Pass Strub nach Lofer zur Grenzsicherung aus. Bei Unken kam es zum Gefecht mit dem Königlich Bayrischen Leibregiment. Gemeinsam mit den Kompanien von Algund, Mais, Schenna, Partschins und Naturns rieben sie diese Streitmacht vollkommen auf. Nach Ablauf ihrer Dienstzeit kehrte die Schützenkompanie Anfang Oktober nach Meran zurück. Zur selben Zeit zog eine 100 Mann starke Kompanie unter Hauptmann Urban Pitsch nach Trient, das von französich-italienischen Truppen unter General Peyri bedroht wurde.

1809 - Der Frieden von Schönbrunn

Napoleon diktierte am 14. Oktober den Frieden von Schönbrunn, der Österreich ein Drittel seiner Länder kostete, darunter auch Tirol. Kaiser Franz hatte sein Versprechen vom Sommer nicht gehalten. Hofer, schwankend zwischen Widerstand und Unterwerfung, rief die Grenzschutz leistenden Kompanien zurück und verließ am 21. Oktober Innsbruck in Richtung Süden. Gemäß den Bestimmungen des Friedensschlusses besetzten die Bayern den Norden des Landes, die Franzosen den Süden.

1809 - die 4. Bergiselschlacht

Aus Wien kamen Mahnungen, keinen Widerstand zu leisten, die bayrisch-französischen Besatzer riefen auf, die Feindseligkeiten einzustellen. Trotzdem ließ sich Andreas Hofer von einem wütenden Pater Haspinger zum Weiterkämpfen überreden. Es gelang aber nicht mehr, eine ausreichende Streitmacht zusammenzubringen. Nach leichten Gefechten ging dann die 4. Bergiselschlacht am 1. November verloren. Nach dem Schönbrunner Frieden war der Freiheitskampf für die Tiroler nicht zu Ende, wohl aber die moralische Kraft.

1809 - die letzten Kämpfe gegen Napoleon

Hofer brach jetzt unter der ihm aufgebürdeten Verantwortung zusammen und wurde zum Werkzeug verantwortungsloser Hitzköpfe. Vergeblich warnten einige seiner engsten Vertrauten und treuesten Unterkommandanten vor weiteren Kämpfen. Er schenkte ihnen nur kurzfristig Gehör und erließ einen entsprechenden Aufruf. Doch bald darauf konnten ihn andere durch Drohungen und gefälschte Nachrichten wieder umstimmen. Sie hatten leichtes Spiel, denn Hofer konnte es einfach nicht glauben, dass Österreich bzw. der Kaiser Tirol im Stich ließ. Er zögerte, bis sich die Kriegspartei durchsetzte. Erfolgreiche Gefechte, so der Sieg am Küchelberg am 16. November und die Gefangennahme von 1.000 Franzosen in St. Leonhard i. P. eine knappe Woche später schienen diesen Leuten Recht zugeben. Noch bis in den Dezember hinein wurde in mehreren Tälern gekämpft, viele Blutopfer und Brandruinen waren die Folge.

1810 - die Aufteilung Tirols

im Herzen Europas erkannt und suchte eine günstige Lösung. Er überlegte sogar, Tirol mit eigener Verfassung direkt unter seine Herrschaft zu stellen, oder das ganze Land an das Königreich Italien anzugliedern (das wünschte sich z. B. die Stadt Bozen). Der bayrische König wünschte sich seinerseits, Tirol ungeteilt zurückzubekommen. Um einerseits seinen Verbündeten nicht zu sehr zu verärgern und andererseits das Tiroler Volk zu schwächen, entschied Napoleon sich für eine Dreiteilung des Landes: Welschtirol und der südliche Teil Deutschtirols bis zur Grenzlinie Nals – Gargazon – Stadt Bozen – Ritten (ohne Wangen) – Völs - Toblach kamen an das Königreich Italien. Das östlche Pustertal mit Innichen, Sexten, Lienz und dem Iseltal schlug man zu den Illyrischen Provinzen Frankreichs, nur der Rest, d. h. Nordtirol, der Vinschgau, das Burggrafenamt (ohne Nals und Gargazon), das Eisacktal mit Brixen, Klausen, Waidbruck und Seis sowie das westliche Pustertal ab Niederdorf verblieb bei Bayern. Das hatte natürlich zur Folge, dass die Landesverfassung und damit auch die Vorschriften der Landesverteidigung aufgehoben wurden. Den Schützenkompanien war damit die rechtliche Grundlage entzogen, sie mussten sich auflösen. Doch schon nach drei Jahren regten sie sich wieder.

1810 - Todesurteil über Andreas Hofer

Laut der Verordnung des französischen Oberkommandos war das Scheibenschießen überall verboten. Übertretungen dieses Befehls wurden das erste Mal mit 100 Gulden, das zweite Mal mit 3 Monaten Arrest und das dritte Mal mit Zuchthaus geahndet. Außerdem durften die Waffenschmiede nur für das französisch-bayrische Militär arbeiten. Am 27. Jänner gelang es den Franzosen durch Verrat, Andreas Hofer gefangen zu nehmen (1.600 Mann waren dazu eingesetzt). Er wurde nach Meran geführt, und am Passeirer Tor erwartete eine Gruppe französischer Offiziere den Gefangenen mit Musik und führte ihn im Triumphzug zum Generalkommando. Dieses befand sich im Gasthof „Goldener Adler“ (heute „Graf von Meran“) am Rennweg. Die Bürger von Meran standen tief traurig und erschüttert am Wegrand. General Huard verhörte Hofer, ließ dessen Frau und Sohn aber frei. Zwei Tage später wurden Hofer und sein Sekretär Kajethan Sweth über Bozen und Verona nach Mantua gebracht.

1810 - die Bayern besetzen Meran

Mitte Februar verließen die französischen Truppen Meran, sie wurden durch eine kleine bayrische Garnison und entsprechende Zivilverwaltung ersetzt. Die Münchner Regierung hatte aus den Ereignissen gelernt: Sie machte eine Kehrtwendung in der Kirchen- und Kulturpolitik und minderte auch den Steuerdruck. Aber die Ungerechtigkeiten der Verwaltung, der Zentralismus des Staates und vor allem die Zwangsrekrutierung zur bayrisch-französischen Armee blieben aufrecht. Bereits am 26. März wurde die erste Aushebung von jungen Männern zur bayrischen Armee befohlen. Die Gemeinden des Stadt- und Landgerichts Meran sträubten sich dagegen, worauf Ende April starke bayrische Truppen die Gemeinden besetzten, um die Rekrutierung durchzusetzen. Erst Mitte August war das Kontingent erreicht, und die Truppen zogen mit dem Rekrutentransport ab. Viele desertierten auf dem Weg nach Bayern und versteckten sich.

1812

Schon im Februar zogen viele französisch-italienische Truppen durch Tirol in den Krieg gegen Russland. Auch Bayern als Vasall Frankreichs musste Mannschaften stellen und rekrutierte im April 27 Mann aus Meran. Durch die ungeheuren Verluste der „Grande Armee“ musste im Dezember des gleichen Jahres eine zweite Aushebung ausgeschrieben werden.

1813 - Napoleons Niedergang, Tirol war wieder frei

Schon im April, keine 5 Monate nach der letzten, wurde eine neue Rekrutierung ausgeschrieben. Diese wiederholten Rekrutierungen, gleichzeitig mit den Nachrichten über die Niederlage Napoleons in Russland sowie über den Beginn der Freiheitskriege in Deutschland, brachten Unruhe und Widerstandsgeist in die Bevölkerung. Um dem zu begegnen, setzten die bayrischen Behörden die Kapuzinerpatres Ubald und Turibius, sowie Balthasar Leiter, Wirt von Algund und Johann Brunner, Hebsacker von Meran, fest und brachten sie nach Innsbruck. Doch das half wenig, denn Anfang April zogen Gruppen von jungen Burschen durch die Burggräfler Gemeinden und protestierten öffentlich gegen die Rekrutierungen und die Errichtung von Milizregimentern (mobile Legionen genannt). Die Behörden wurden mit ihnen nicht fertig, daher zwangen sie die Geistlichen, von der Kanzel herab für Rekrutierung und Gehorsam zu predigen. Auch das brachte keinen Erfolg, selbst die Ermahnungen des eigens nach Innsbruck gereisten KK Feldmarschalls Bellegarde verhallten ungehört. Als sich am 8. Oktober eine österreichische Streitmacht unter General Franz v. Fenner von Kärnten her Tirol näherte, gab es kein Halten mehr. Am 11. September schon besetzte er mit Hilfe von 2 Schützenkompanien Lienz. In Meran wurde eilends eine Schützenkompanie gebildet, diese besetzte die öffentlichen Gebäude und setzte die bayrischen Beamten fest. Mit dem Einmarsch der österreichischen Truppen am 19. Dezember in Innsbruck war ganz Tirol wieder frei von jeder Fremdherrschaft.